Islamfeindlichkeit

Kurzdefinition:

Islamfeindlichkeit bezeichnet die pauschale Ausgrenzung und Abwertung von Muslim*innen oder von Menschen, von denen Islamfeinde glauben, dass sie Muslim*innen sind. Diese auch als antimuslimischer Rassismus bezeichnete Form der Diskriminierung richtet sich gegen Einwander*innen aus Ländern mit muslimischer Mehrheitsbevölkerung und deren Nachfahren. Formen der Benachteiligung und Abwertung gehen einher mit einer Homogenisierung und Verallgemeinerung aller Muslim*innen. Eine Unterscheidung zwischen dem einzelnen Individuum, für das Religion möglicherweise keine prägende Konstante im Alltag ist, der Religion Islam und der politischen Ideologie des Islamismus findet zumeist nicht statt. Muslimisch gelesene oder markierte Menschen sehen sich in zahlreichen Gesellschaftsbereichen Diskriminierungen ausgesetzt.


Zitat:
„Das auf Ressentiments gegründete, mit Stereotypen agierende, verbreitete Ängste instrumentalisierende Feindbild Islam hat sich auf einem politisch-sozialen Aktionsfeld etabliert, das Impulse von Moscheebau-Projekten, aus Debatte über Kopftuch und Zwangsehe, über die von obskuren Publizisten beschworene Gefahr einer angeblichen ,Islamisierung Europas' erhält und der inzwischen uralten Projektion vom „Untergang des Abendlands“ folgt.“

(Benz 2019: 69)


Erläuterung:

Gesamtgesellschaftliche Diskurse, die in erster Linie von den Patriotischen Europäern gegen die Islamisierung des Abendlandes (Pegida), der AfD, der Identitären Bewegung und anderen rechtspopulistischen bis rechtsextremistischen „Bürgerinitiativen“ im öffentlichen Raum ausgetragen werde, zeigen auch im Fußball ihre Wirkmächtigkeit. Im Rahmen von islamophoben Verschwörungsideologien werden Bedrohungsszenarien entworfen, in deren Zentrum „der Islam“ und „die Muslime“ stehen. In diesen islamfeindlichen Diskursen kursieren überdramatisierte Narrative vom „Großen Austausch“, vom „Untergang des Abendlandes“ und von „fanatisierten Terroristen“. Sarrazineske Überfremdungsängste vermischen sich hier mit kulturrassistisch und völkisch-national ausbuchstabierten Ressentiments und Vorurteilen aus einem rechtskonservativen Milieu zu einem Feindbild, das „den Islam“ nicht nur pauschal dämonisiert, sondern ebenfalls als Sündenbock für multikomplexe soziale Verwerfungen im Zeitalter der Globalisierung verantwortlich macht.

Die Gruppierung „Hooligans gegen Salafisten“ (HoGeSa), die sich als gewaltbereite Mischszene zusammensetzt aus Fußballanhänger*innen, Rocker*innen, Kampfsportler*innen, rechtsextremen Neonazis und bereits aktenkundigen Mitgliedern aus dem Kreis „Gewalttäter Sport“, kann als aktivistische Speerspitze in Sachen Islamfeindlichkeit bezeichnet werden. Im Jahr 2014 versammelten sich mehrere tausend ideologische Gesinnungsgenoss*innen vor dem Kölner Hauptbahnhof, die vorgaben, nur „normale Bürger“ zu sein, jedoch ihre rechtsextremistische Haltung offen zur Schau trugen. Die Verwendung von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen (Hiltlergruß) gehörte hier ebenso zum Protestrepertoire wie islamfeindliche Parolen.

Neben der Thor-Steiner Bekleidung und den Merchandise-Artikeln von HoGeSa war auf dem Breslauer Platz auch eine Frau mit einem T-Shirt sichtbar, das folgende Aufschrift besaß: „Auschwitz University. Est. 1941. Humanity, Genetics, Ethnogency, Final Solution“. Die aus den Nachbarländern angereisten Islamfeinde hielten Plakate mit der Aufschrift „STOP ISLAM TERREUR“ hoch. Ergänzt wurde dieses Plakat durch eine Karikatur des Propheten Mohammed, die erstmals im Jahr 2005 in der konservativen dänischen Zeitung Jyllands-Posten veröffentlicht wurde. Als musikalischer Einheizer fungierte an diesem Tag die bei Neonazis beliebte rechtsextreme Band Kategorie C, die aus der gewaltbereiten Bremer Fußballszene hervorgegangen ist. Im Song „Hooligans gegen Salafisten“ wetterte die Band gegen „Allahs bärtige Männer“, „Ehrenmord“ und „Schariapolizei“. Hannes Ostendorf, der Frontmann von Kategorie C, sang weiter: „Heute schächten sie Schafe und Rinder – Morgen vielleicht schon Christenkinder“. Dass rechtsextreme Fußballanhänger*innen gezielt gesellschaftliche Krisen zur politischen Radikalisierung gegen die vermeintliche „Islamisierung“ Deutschlands und zur Demontage von demokratischen Selbstverständlichkeiten nutzen, zeigte sich ebenfalls bei den Ausschreitungen in Chemnitz im Jahr 2018. Hier erzeugten rechtsextremistische Hooligans und Islamfeinde von Kaotic Chemnitz und HooNaRa (Hooligans Nazis Rassisten)  zunächst eine progromartige Straßenschlachtatmosphäre, auf die eine Hetzjagd auf muslimisch gelesene Menschen folgte.

 

 

Literatur:

Benz, Wolfgang: Alltagsrassismus. Feindschaft gegen „Fremde“ und „Andere“. Frankfurt am Main 2019.
 
Bojadžijev, Manuela: Die windige Internationale. Rassismus und Kämpfe der Migration. Münster 2008.
 
Claus, Robert: Hooligans. Eine Welt zwischen Fußball, Gewalt und Politik. 2., aktualisierte Auflage. Göttingen 2018.
 
El-Tayeb, Fatima: Undeutsch. Die Konstruktion des Anderen in der postmigrantischen Gesellschaft. Bielefeld 2016.
 
Friese, Heidrun et al. (Hg.): Rassismus im Alltag. Theoretische und empirische Perspektiven nach Chemnitz. Bielefeld 2019. 
 
Quent, Matthias: Deutschland rechts außen. Wie die Rechten nach der Macht greifen und wie wir sie stoppen können. 4. Auflage. München 2019.

Shooman, Yasemin: Keine Frage des Glaubens. Zur Rassifizierung von >Kultur< und >Religion< im antimuslimischen Rassismus. In: Friedrich, Sebastian (Hg.): Rassismus in der Leistungsgesellschaft. Analysen und kritische Perspektiven zu den rassistischen Normalisierungsprozessen der »Sarrazindebatte«. Münster 2011, S. 59-76.

Talhout, Lisa Joana: Muslimische Frauen und Männer in Deutschland. Eine empirische Studie zu gesellschaftsspezifischen Diskriminierungserfahrungen. Wiesbaden 2019.

 

 

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